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Adriano De Vincentiis

"Die Comic und ich - Liebe auf den ersten Blick". Diese Liebe geht zurück bis in die Teenagerzeit, als De Vincentiis zum ersten Mal mit den italienischen Fumetti in Berührung kam. In diesen entdeckte er die kreativen Kraft Welten zu erschaffen bzw. in Bestehende hinabzutauchen. Diese Liebe zum Medium Comic hält unvermindert bis heute an und ist in den Jahren eher noch gewachsen.

Die Comicaffinität zeigt sich auch in seinem Arbeitszimmer. De Vincentiis ist ein versierter Kenner des "Golden Age" Comiczeitalters, sowie der japanischen Manga- und Anime-Szene. Es stapeln sich in seinem Studio Unmengen an Bildern, Fotos aus Filmen, japanische Modelle von Robotern, (erotische) Sammler-Figuren, neben einem großen Archiv bestehend aus Comic- und Bildbänden.

Adriano De Vincentiis wurde 1971 in Teramo, Italien geboren und wird in manchen italienischen Artikeln schon als Erbe von Milo Manara erkoren. Gleichwohl ein großes Kompliment wird erst die Zukunft zeigen, welches Potential in diesem versierten Künstler steckt. Doch die Aussichten stehen gut. Schon heute ist sein künstlerisches Auge genauso kultiviert wie seine erfahrene Zeichentechnik.

Sein erster eigener Comic war ein pornografischer "Flash Gordon", den er mit sieben oder acht Jahren zeichnete. In seinem Zuhause fanden sich Ausgaben von "Skorpio", "Lanciostory" oder "Barbara"; einem Fumetti von Barreiro und Zanotto.
"Ich fand diese Ausgaben unglaublich. ... Ich entdeckte die Comics als eine Fantasiewelt in der alles möglich war und merke, das die besten Künstler sich den Comics verschieben haben." (1)

Mit 18 Jahren sprach er bei Granata Press in Bologna vor und traf dort auf Luigi Bernardi. Dieser vertröstete ihn nochmal im nächsten Jahr vorbeizuschauen. De Vincentiis arbeitete daraufhin wie ein Besessener an seinen Fähigkeiten, kehrte nach Bologna zurück und wurde als Zeichner engagiert. Bei Granata Press verdiente er seine ersten Sporen als Comic-Künstler.

Seine erste Comicarbeit war Koshka, dessen Szenario Autor Stefano Marino exklusiv für De Vincentiis entwarf und entlehnt in seiner Science Fiction/Cyberpunkt Welt "Alba Nera" spielt.

Luigi Bernardi und Stefano Marino ließen dem jungen De Vincentiis freie Hand, seine eigenen Ideen - aufbauend auf den Aufzeichnungen und inhaltlichen Vorgaben von Marino - einzubringen. Unglücklicherweise wurde die Arbeit nach ihrer Fertigstellung nicht veröffentlicht. Dafür erschien der Comic im Laufe der Jahre in etlichen Übersetzungen in Spanien, Frankreich und Belgien, sowie in den USA im Heavy Metal Magazin.

1995 verschlug es De Vincentiis - nach einer Einladung von Oscar Chichoni - in die USA nach Los Angeles und arbeitete dort als Storyboardzeichner für den Film. In dieser Eigenschaft reiste er sogar zwei Jahre später nach Hong Kong, um ebenda den chinesischen Film mit seiner ausdrucksstarken Bildsprache kennenzulernen.

Nach interessanten aber nicht wirklich kreativen acht Jahren im "Filmbusiness", kehrte De Vincentiis um 2001 nach Europa zurück und siedelte sich in Frankreich an, das ihm für sein Comicschaffen freier und offener schien und ihn nicht wie in Italien geschehen in seinen Möglichkeiten einschränkte.

In dieser ungezwungenen Umgebung entstanden zum Beispiel - zusammen mit Autor Massimo Visavi - 2004 und 2006 die zwei Bände "Sophia".

Sophia, die sich in ihrem Mix aus Abenteuer, Thriller und Erotik in kein starres Genre einsortieren lässt, war für alle Beteiligten ein Schuss ins Blaue. Mittlerweile ist die Serie auf drei Alben angewachsen. Nach einigen Problemen während der Produktion des dritten Bandes (unter anderem. wollte der Verlag den dritten Band schneller fertigstellen, als es De Vincentiis mit seinem detaillierten Zeichenstil hätte produzieren können) entschloss sich der Verlag die Reihe mit dem Autor Christophe Guignement und Zeichner Mariano Navarro weiterzuführen. Sehr zum Unwillen des Original-Teams.

Jahre vor dem dritten Band - genauer 2009 - erschien die Portfolio-Sonderedition Secret Sophia (Editions Paquet). Darin zeigt De Vincentiis den Haupt-Charakter in gewagteren Illustrationen und steuerte zudem eine erotische (pornografische) Kurzgeschichte mit dem Titel "Alias" bei. Eingeleitet wird die Edition mit einem Vorwort von Milo Manara.

2011 veröffentlichte der französischen Verlag Soleil Succubes Band 2 - Roxelane, den De Vincentiis zusammen mit Autor Thomas Mosdi entwickelte. Im selben Jahr wurde begleitend eine limitierte Portfolio-Ausgabe Sarah D veröffentlicht, in welcher ausgesuchte, erotische Illustrationen zusammengetragen wurden.

"...Einen männlichen Charakter zu zeichnen, verzeiht einige anatomische Fehler,... Eine Frau zu zeichnen benötigt absolute Präzision." (2)

Obwohl vieles mittlerweile am Computer entsteht und/oder weiterverarbeitet wird, nützt Vincentiis eher die traditionellen Mittel wie Bleistift, Farbstift, Tusche und Farben um seine Ideen aufs Papier zu bringen. "... Ich muss gestehen, das ich die unvollendete Zeichnung der vollendeten vorziehe, weil diese noch die unmittelbare Umsetzung der Idee zeigt." (2) Der Computer hilft De Vincentiis dabei seine eingescannten Skizzen und Zeichnungen zu organisieren und sie in Seiten-Layouts zu arrangieren. Mit dieser Blaupause geht es zurück an den Zeichentisch, wo alles wieder klassisch per Hand entsteht; sogar die Sprechblasen.

"... das erste Werkzeug für einen Künstler ist nicht der Stift oder Farbe, sondern das Auge gefolgt vom Gehirn, das die Eindrücke und Emotionen verarbeitet und übersetzt. ... Ich bin davon überzeugt, das man erst richtig zeichnen kann wenn zuvor die Beobachtungsgabe geschult wurde." (3)

Die exorbitante Klasse seiner Arbeiten zeigt sich in all seinen Werken, ob bei einfachen Skizzen oder ausgearbeiteten Illustrationen und Comicseiten. Auf seinem Internet-Blog kann man unzählige Zeichnungen von ihm sehen die er just for fun zeichnet, wenn ihn ein Thema oder eine Eingebung beschäftigt.

"... das Weibliche an sich,.. die weiblichen Formen sind für mich überaus interessant weil ihnen eine ungeheure Kraft innewohnt, erotisch und sinnlich mit einer ungeheuren kreativen Energie aufgeladen. Wenn mein Bleistift über das Papier rast um eine Frau zum zeichnen hat das viel mehr Exotik und Energie, als bei einem männlichen Protagonisten. - Der erotische Comic ist für mich DAS Ausdrucksmittel um die explosive Kraft und das Geheimnis der Erotik selbst auszuleuchten." (4)

Sein Stil ist vergleichbar mit dem von Juan Jose Ryp, wenngleich manche Ausführungen etwas weniger detailreich ausfallen, als dies bei Ryp der Fall ist. Trotzdem ist seine Linienführung genauso akkurat und präzise im Strich, detailreich wenn es die Form erfordert, sowie kreativ und gefällig im Gesamteindruck.

De Vincentiis Arbeiten brauchen sich vor seinen Vorbildern wie Milo Manara, Tanino Liberatore, Roberto "Magnus" Raviola, Guido Crepax, Roberto Baldazzini oder Eleutieri Paolo Serpieri nicht zu verstecken. Diesen "Größen" der Comickunst widmet De Vincentiis auch so manche Skizze und/oder Illustration. Es entstanden gezeichnete Hommagen wie Ryoko Ikeda´s "Lady Oskar", Milo Manara´s "Claudia" oder Liberatores "Lubna und Ranxerox"; bis zu Barbarella, Valentina (Crepax), Vampirella, Batwoman, Teela (Master of the Universe), The Fantastic Four (Marvel), usw... In jeder dieser Skizzen findet sich der schöpferische Schalk von De Vincentiis, bekannte Charaktere ein wenig anders darzustellen - oftmals in einer erotischen Neuinterpretation.

"Die Arbeiten von Manara haben bis heute nicht den Reiz verloren, den sie seit Jahrzehnten auf mich ausüben. Er war und ist bis heute ein Lehrmeister für meine Kunst, auch weil er mir zeigte, das man eine Karriere aufbauen kann mit Sachen die man persönlich liebt.
Crepax wurde erst vor Jahren von mir wiederentdeckt und ist heute für mich der größte Comiczeichner aller Zeiten...."
(3)

De Vincentiis hat zwar bis heute keinen reinen erotischen bzw. pornographischen Comic veröffentlicht (die Ausnahme bildet vielleicht die Kurzgeschichte "Alias"), doch seine bisherigen Werke zeigen einen bemerkenswerten Künstler, der mit Spaß an der Sache die Erotik bewusst und gezielt in seine schöpferische Arbeit einbaut. Das verdeutlichen auch seine "unzähligen" erotischen Studien.

"... Erotik und Pornografie. Pornografie ist der reine sexuelle Akt. Durchaus interessant und faszinierend. Meist jedoch (gezeigt) ohne der Begierde, dem Vorspiel, dem Warten, dem Nachdenken, der Sehnsucht. ... Für mich ist auch die Natur erotisch. Ein Wasserfall oder ein Baum, genauso wie ein nacktes Mädchen am Strand. Weil all diese Dinge eine unglaubliche Energie und Lebenskraft innewohnt. Erotik ist nicht immer gleichzusetzen mit Sex oder Nacktheit. Beides sind nur Teile der Erotik...". (3)

In der berühmten Gallerie Daniel Maghen in Paris wurden im Februar 2012 dreißig ausgesuchte Arbeiten von De Vincentiis ausgestellt, die seine Interpretationen bekannter Comic-Charaktere europäischer Comickünstler wie Manara, Liberatore oder Serpieri zeigten. Im selben Jahr druckte auch das namhafte Playboy Magazin einige seiner Arbeiten.

Veröffentlichungen (Auswahl):
- Succubes - Roxelane #2 (Soleil Productions, 2011) Autor: Thomas Mosdi
- Roxelane Tirage de Tête (Les Sculpteurs de Bulles) limitierte Portfolio-Ausgabe
- Sarah D (Les Sculpteurs de Bulles, 2011) limitierte Portfolio-Ausgabe
- Sophia 1-2 (Editions Paquet, 2004, 2006, 2011) Autor: Massimo Visavi
- Secret Sophia (Editions Paquet, Frankreich/Belgien, 2009)
- Koshka (Autor: Stefano di Marino)

Links:
- offizielle Homepage
- offizieller Blog
- Facebook-Seite
- italienisches Interview bei Lo Spazio Bianco
- italienisches Interview bei re.volver.it
- italienisches Interview bei gliaudaci
- Video über Alias bei vimeo.com

Quellen:
(1) lospaziobianco.it
(2) gliaudaci.blogspot.de
(3) enquire.it
(4) cartoonmag.it
(freie Übersetzungen des Originaltextes durch den Autor)

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