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Paolo Eleuteri Serpieri

 

wurde am 29. Februar 1944 in Venedig geboren und ist wohl einer der bekanntesten Comiczeichner in Italien und dem Rest der Welt.

 

Aufgewachsen in Rom, besuchte er die hiesige Kunstschule und wurde dort von so bekannten Malergrößen wie Renato Guttuso unterrichtet. Nach seinem Abschluss versuchte er um 1966 als Maler sein Brot zu verdienen. Trotz guter Kritiken wechselte Serpieri um 1975 in die Comickunst. Mit Autor Raffaele Ambrosio schuf er zusammen die Serie "L'Histoire du Far-West" (Die Geschichte des Westens). Die Geschichten wurden in den Magazinen "Lancio Story" und "Skorpio" veröffentlicht. Darunter befanden sich so bekannte Titel wie "L'Indiana Bianca" ("Der weiße Indianer") and L'Uomo di Medicina ("Medizinmann"). Des Weiteren erschienen um 1980 seine Zeichnungen und Geschichten - wie "Découvrir la Bible" - in den Comicmagazinen "L'Eternauta", "Il Fumetto" und "Orient-Express".

 

1985 erblickte zum "ersten Mal" Serpieris berühmteste Schöpfung das Licht der Welt: Druuna! Die versinnbildlichte Verkörperung eines Männertraums. Mit Kurven wie sie erotischer nicht sein können und gesegnet mit einem Hinterteil, den man nur - vulgär, aber treffend - als "Arsch" bezeichnen kann. Nicht umsonst brachte Druuna Serpieri den Titel "Meister des Arsches" (Master of the Ass) ein.
Wohl kein Zweiter ist in der Lage, so gekonnt die verführerischen weiblichen Rückenenden in Szene zu setzen und aufs Papier zu bringen wie Serpieri.

 

Wohl hat Druuna alle typischen Proportionen einer sexistischen männlichen Wunschvorstellung - und doch ist die "Figur Druuna" kein eindimensionales Abziehbild. Ihr indianisch, maskuliner Touch hat einen fesselnden, erdigen Charme. Diese Nuancen, weg von den Ideal-Klischees (blond, lange Beine, usw.), sind wohl mitverantwortlich für die Faszination Druuna. Sie ist mit Fug und Recht, eine DER Traumfrauen der erotischen Erwachsenenliteratur.

 

Die "Druuna"-Alben verkauften sich in mehr als 12 Länder bereits über eine Millionen Mal. Acht Alben umfassen die bizarre, erotische, sinnliche und inhaltsstarke Science-Fiction-Horror-Saga "Morbus Gravis". Als da wären: Morbus Gravis (1986), Morbus Gravis 2: Druuna (1987), Creatura (1990), Carnivora (1992), Mandragora (1995), Aphrodisia (1997), The Forgotten Planet (2000) und Clone (2003).

 

Serpieri selbst spielt in der Saga ebenfalls eine "kleine" Rolle und "erscheint" Druuna im Comic als beratende Figur "Doc".

 

Serpieris Saga ist ein Wechselbad der Gefühle. Zum einen erzählt sie eine sehnsuchtsvolle Suche der Heldin Drunna nach Liebe und Erfüllung - und dies in einer post-apokalyptischen Welt in der ein gefährlicher Virus Menschen in mutierte Monstren verwandet. Zum anderen - was wohl in erste Linie zum großen Erfolg beitrug - nutzt Serpieri dieses Szenario um den hartgesottenen Leser mit schonungslosen Gewaltorgien und tabulosen Sexeinlagen zu "verwöhnen".

 

Letztere steigert Serpieri in weiteren Alben, die neben seiner Arbeit an Drunna erschienen. Die Alben "Obsession", "Druuna X", "Druuna X 2", "Croquis", "Serpieri Sketchbook", "Serpieri Sketchbook 2" und "The Sweet Smell of Woman" zeigen Serpieris Phantasiewelt und künstlerische Arbeit ohne Zensur und gedankliche Schranken. Die Alben "Drunna X 1 und 2" präsentieren Druuna offenherzig, tabulos und überaus deutlich in neuen Perspektiven und Alternativszenen; die so wohl nie in den "normalen" Alben (Morbus Gravis) veröffentlicht worden wären.

 

Das Album "The Sweet Smell of Woman" ist sowohl ein intimes "Tagebuch" mit Geschichten und Zeichnungen aus Serpieris Leben und Schaffen, als auch eine Ode an die Frauen.

 

Paolo Eleuteri Serpieri ist einer der besten europäischen Comic-Künstler und seine Arbeiten - auch an der bekannten französischen Serie "Blueberry" - sind herausragend. Sein Stil ist wiedererkennbar und unverwechselbar; sein Können in Sachen (Mal-)Technik, Layout und Anatomie meisterlich.

 

In einigen Länder, wie USA und Deutschland, hatten die ersten Veröffentlichungen von "Morbus Gravis" mit behördlich verordneten, zensorischen Eingriffen zu kämpfen. Obwohl sich Serpieri selbst schon zurückgenommen hatte, wurden etliche Bilder von Verlegern einfach neu arrangiert oder mit schwarzen Balken versehen. So geschehen in den Alben des Alpha Comic Verlags sowie deren Magazin "Schwermetall" - der deutschen Ausgabe des US-Magazins "Heavy Metal". Doch im Zuge der "Liberalisierung" in den 90ern wurden diese Alben inzwischen unzensiert neu aufgelegt.

 

Ein Gerücht besagt, das Serpieri eine "weltliche" Vorlage für seine Figur "Druuna" benutzte. So existiert eine durchaus frappierende Ähnlichkeit mit der Schauspielerin "Valérie Kaprisky" in ihrer Rolle in "La femme publique" (The Public Woman/die öffentliche Frau). Dieses französische Filmdrama - inspiriert durch einer Novelle von Dostoevsky "The Devils" - wurde von Andrzej Zulawski 1984 gedreht.

 

2016 erschien das Album Anima bzw. "Druuna Zero" aus dem Jahr 2012 und ist sozusagen eine späte Rückkehr zu seiner erfolgreichsten Figur. Serpieri verzichtet darauf, die 1986 begonne Geschichte weiter zu spinnen, sondern bietet auf 66 meisterhaft gezeichneten Seiten diesmal eine Geschichte völlig ohne Worte, die eine etwas ältere "Druuna" mit blondem Haar zeigt. Er kombiniert hierbei einzelne Versatzstücke seines bekannten Universums mit einer Huldigung an Moebius und die Gründer der "Humanoides Associes". (amazon-Rezi jo84)

 

Links: Wikipedia und Druuna-Homepage

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