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Pierre Seron

wurde am 9. Februar 1942 in Chénée (Nahe Liège (Lüttich)), Belgien geboren. Er studierte an der berühmten Beaux-arts de Saint-Luc in Liège und arbeitete in der gleichen Stadt als Dekorateur - bis ihn Dino Attanasio ("Signor Spaghetti", "Modeste et Pompon") Mittéï ( = Jean Mariette) ("Indésirable Désiré", "Ric Hochet") und Maurice Maréchal ("Prudence Petitpas") als Assistenten für ihre Serien (bei Journal de Tintin) einstellten. Er signierte einige seine Arbeiten als FOAL. Stilistisch ließ er sich vom überragenden Vorbild André Franquin ("Spirou et Fantasio") inspirieren.

1967 präsentierte er zum ersten Mal seine Minimenschen Les Petits Hommes im Magazin Spirou. Die Geschichten steuerte in den ersten Bänden der Journalist Albert Desprechins und später Mittéï (unter dem Pseudonym Hao) bei, wobei Mittéï die Serie inhaltlich auf ein erwachseneres Niveau hob. Ab den 1980ern schrieb Seron die Skripts für seine Comics selbst.

Neben den Minimenschen erschien im Magazin Pif-Gadget die Mini-Serie La Famille Fohal (1973-1975), die später in Albenform "La Famille Martin" umgetauft wurde (firmiert unter seinem richtigen Namen Seron). Autor der Geschichten war Saint Thomas (vermutlich Mittéï). Seron signierte die Seiten mit dem Pseudonym Fohal (siehe Bild-Beispiel am Ende der Seite). Fohal war jedoch der Name seiner Ex-Frau. (1)

Mit dem Autoren Stephen Desberg gestaltete Seron die Abenteuer Centaures Aurore et Ulysse (1978) (deutsch "die Zentauren").
Doch die Minimenschen ließen ihn nicht los und erfreut die Fans seit nunmehr über 40 Jahre. Seron entwickelte im Verlauf etliche Finessen wie grafische Effekte oder probierte inhaltliche Experimente um die Reihe interessant zu halten. Wie zum Beispiel im Album "Le Planète Ranxerox" (1985), auf dessen Welt die Farben invertiert sind; oder er entwarf eine Geschichte, die parallel in verschiedenen Dimensionen spielt wie in "Voyage entre 2 Mondes" (1990); oder transportierte die Helden in ein Videospiel, wie in "Duels" (1999).
Er arrangierte zudem Cross-over-Auftritte der Minimenschen wie in "Le Pickpocket" (1985) innerhalb der Serie "Scrameustache" von Roland Goossens (alias Gos) und wie in "Le Vulcan d'Or" (1988) innerhalb seiner eigenen Serie "Aurore et Ulysse".

Die "Abenteuer der Minimenschen" erschienen auch auf deutsch. Zwischen den Jahren 1987 und 1995 zuerst bei Reiner Feest (Band 1 bis 11) und später bei Feest Comics (Ehapa Verlag) (Band 12-21). Einige Ausgaben wurden Jahre vorher auch im Taschenformat (18x13 cm) unter dem Titel Herbie Huppser und die Mikronauten bei Bastei Comic (1982/83) herausgegeben. Salleck Publications führte die Serie ab dem Jahr 2000 fort.

Für P&T Productions und Joker Editions entstand die erotische Variation der Minimenschen: Les petites femmes. Was durchaus ein Risiko darstellte, als gefeierter Comickünstler, der vornehmlich Geschichten für Kinder und Jugendliche gestaltete, eine erotische ja stellenweise pornografische Serie ohne Pseudonym zu starten.

Doch Seron wurde belohnt und die Minimädchen ein großer Erfolg; nicht nur in Frankreich. Nach sechs Bänden war leider wieder Schluss und weitere Alben sind im Moment nicht geplant. Die deutschen Ausgaben liefen bei BSE. Die Kolorierung übernahm das bekannte Studio Léonardo*.

Die Abenteuer mit den Minimädchen bieten vergnüglichen Lesestoff in Albumstärke durch ihre burlesken Einfälle, witzigen Ideen und abwechslungsreichen Szenarien - präsentiert in zeichnerischer Präzision! Seron integrierte lüsterner Amazonen, "Hühnchenfrauen", "deutsche Kameraden" mit deformierten Körpern, sprechende "Pimmel", mythologische Figuren, ja sogar der kleine Bruder von Jesus ist mit auf den Inseln dabei.

Wo Kollegen wie DiSano oder Dany meist verschämt ausblenden oder geschickt Details verdecken, hat Seron in etlichen seiner Bilder den Mut in der erotischen Szene zu bleiben und diese auch unverblümt zu zeigen. Allein dem franco-belgische Zeichenstil ist es geschuldet, das die gezeigten Handlungen nicht vulgär oder geschmacklos erscheinen, denn allzu deutliche und explizite Details sind in dieser Darstellungsweise eh nicht möglich.

"Auf einer von kleinwüchsigen, hübschen Amazonen bewohnten Insel strandet der einzige Überlebende eines untergegangenen Schiffes. Doch was zunächst sehr verlockend für einen potenten Mann erscheint, entpuppt sich bald als schreckliche Falle.
Die Amazonen haben nämlich seit vielen Jahren keinen Mann mehr gesehen, und machen sich große Sorgen um ihren Nachwuchs. Der scheint nun gesichert zu sein. Nur mit dem Haken, dass der Schiffbrüchige wenig Interesse zeigt, seine Mithilfe bei der Familienplanung der Amazonen zur Verfügung zu stellen. Viele der Mädchen haben noch nie einen Mann gesehen und versuchen nun unbeholfen, ersten Kontakt zum anderen Geschlecht herzustellen. Gefühle wie Neid, Eifersucht und Liebe waren ihnen bisher eher fremd, und so kommt es erst zu Streit, später dann zu einem regelrechten Krieg um den einzigen Mann auf der Insel. Je mehr er in die Intrigen und Kämpfe der Mädchen verwickelt wird, um so mehr findet er plötzlich Gefallen an der Vorstellung, der Vater des gesamten Nachwuchses auf der Insel zu sein. …"
Pierre Seron, bekannt durch seine Serie Die Minimenschen, legt hier in bester Tradition solcher Zeichner wie Dany oder Walthery ein erotisch-humorvolles Comic-Album vor, das den Vergleich zu Titeln wie "Oh la la!" und "Schäm dich" nicht zu scheuen braucht. Der aussichtslose Kampf eines Mannes gegen ein ganzes Volk liebeshungriger Frauen verursacht von Seite zu Seite zwerchfellerschütterndes Lachen beim Leser. So mancher Zeitgenosse wäre wohl gern an seiner Stelle."
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französische Veröffentlichungen (Auswahl):
- Les petits hommes (Dupuis, 1972-) mittlerweile weit über 50 Alben, Intégrale-Bände und diverse Sonderausgaben, Serien-Ableger erschienen u.a. bei Soleil (1989-1992)
- Natacha (Band 7) L'hôtesse et Monna Lisa (Dupuis, 1979)
- Les centaures (Dupuis, MC Prod., Soleil, 1982-1989) mittlerweile 6 Bände (Nachdrucke Soleil/Jourdan, 1990/91)
- La famille Martin (Soleil, 1990/1993) 2 Bände
- Les fondus (Band 5) Les fondus de la pêche (Bamboo, 2008)

erotische Veröffentlichungen (Auswahl):
- Les petites femmes (P&T Production, Joker Editions, 1999-2009) 6 Bände (#1: Le gabarit sacré, #2: Les petites femmes à plumes, #3: Les têtes de noeud, #4: 'Messie' le retour, #5: A la recherche du sein grêle, #6: V.D.Q.S.)
- T'as de beaux yeux, tu sais! (Band 1und 2) (Joker Editions, 2003/2010)
- Rooie Oortjes #32 (zum Teil Minimädchen-Material), #33 (= Minimädchen Album #3)

Links:
- Homepage
- englische Wikipediaseite
- Liste Minimenschen bei comicguide
- Liste Minimädchen beim BSE Verlag
- Offizielle Fanseite auf Facebook
- Comicographie der Minimenschen

Quellen:
bedetheque.com
lambiek.net
(1) www.forumpimpf.net
(2) www.amazon.de

* Vittorio Leonardo und sein Sohn Jourdan haben bereits etliche bekannte Serien (unter anderem: "Les Femmes en Blanc", "Cédric", "Les Zappeurs", "Yoko Tsuno") für Spirou via Computer koloriert.

Stand 2014

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