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Paul Gillon

Der französische Autor und Zeichner wurde am 11. Mai 1926 in Paris geboren. Sein außergewöhnliches Talent brachte ihn im Laufe seiner langen Karriere in fast alle bekannten französischen Comic-Magazine und -Verlage; wie zum Beispiel dem Journal de Mickey, Vaillant, France Soir oder dem Métal Hurlant (dt. Schwermetal).

In jungen Jahren wurde Paul Gillon sehr krank (Knochen-Tuberkulose) und verbrachte seine frühe Kindheit immer wieder in verschiedenen Kliniken und Hospitälern. Ohne die rechte Chance auf eine "normale Kindheit", verwandelte sich sein Zorn und seine Frustration über die Krankheit in Wut und Auflehnung. Dieses rebellische Verhalten half ihm jedoch nicht gerade in seiner schulischen Ausbildung und so wurde der junge Gillon wegen seines Aufbegehren gegen Obrigkeiten letztlich aus fast jeder Schule geworfen.

Doch eine Leidenschaft hatte der junge Gillon: das Zeichnen! Bereits im Alter von 14 Jahren - während des Krieges - zeichnete er Karikaturen und Illustrationen für lokale Zeitungen, wie dem Samedi-Soir, France Dimanche, Gavroche und Fillette. Für verschiedene Verleger gestaltete Gillon zudem unzählige Buchtitel.

Nach einigen Umwegen schaffte er endlich den Sprung auf eine Grafikschule; der "l’École des Arts Graphiques" Schule in Paris.
Nachdem die Aufträge nach dem Krieg etwas dünner wurden, befolgte er den Rat eines Freundes, es doch mal mit Comics zu versuchen.
Er erinnerte sich an die alten Klassiker seiner Kindheit, die er im Krankenhaus gelesen hatte; an "Flash Gordon", "Terry & the Pirates" oder "Prince Vailant".

1947 ging Gillon zum damals führenden französischen Comic-Magazin Vaillant und konnte dort an der Serie Lynx blanc - angelehnt an den bekannten Comic von Alex Raymond "Jungle Jim" - arbeiten (bis 1950). Autor war dabei einer der führenden Szenaristen von Vaillant Roger Lécureux. Mit ihm gestaltete Gillon auch die Geschichten über die Fils de Chine. (1950 bis 1953; 1978 bei Glénat als Sammelband erschienen) Für Szenarist Jean Ollivier - ebenfalls eine feste Größe bei Vaillant seit dem Start des Magazins im Jahr 1945 - zeichnete Gillon an der Serie Le Cormoran (1954).

Auch dem "Vaillant"-Nachfolger "Pif Gadget" blieb Gillon treu und veröffentlichte dort unter anderem Ende der 1960er Jahre die Abenteuerserie "Jérémie" (deutsch bei Moewig erschienen).

Über die Zeitspanne von 1959 bis 1972 zeichnete er für das Blatt "France Soir" über 4000 Strips des Zeitungscomics "13, rue de l'Espoir"; ersonnen von Jacques and Francois Gall.

Für immer in die Comic-Historie eingeschrieben hat sich Paul Gillon aber mit dem Science-Fiction-Epos Les Naufragés du Temps (dt. "Die Schiffbrüchigen der Zeit", erschienen bei Bastei (nur gekürzt) und Carlsen), das er für Jean-Claude Forest' Magazin Chouchou nach dessen Texten zeichnete. Nach der Veröffentlichung der ersten neun Seiten (1964) war allerdings erstmal Schluß. Als er die Serie Mitte der 1970er Jahre für France Soir (1974 bis 1975) und Métal Hurlant (1977 bis 1989) wieder aufleben ließ, übernahm Gillon ab Band 5 und dem Wechsel zu Métal Hurlant das Schreiben der Szenarios. Nicht zuletzt für die Arbeit an diesem großen Klassiker der Comic-Literatur wurde Paul Gillon mit dem Grand Prix d'Angoulême 1982 ausgezeichnet.

Gillon´s meisterlicher realistischer Zeichenstil ist zeitlos, elegant, präzise und von hoher anatomischer Fertigkeit - ähnlich den Stilen von Künstlern wie Alex Raymond oder Harold Foster.

Zwischen 1985 und 1991 entstand für die Kollektion L'Écho des Savanes (Albin Michel) die erotische Science-Fiction Geschichte La Survivante, die Gillon, angeregt durch eine Idee von Claude Maggiori, selbst schrieb und gestaltete. Die vierbändige Erzählung nimmt Anleihen aus Richard Matheson's Roman "Ich bin Legende".

Eine "Integrale Zusammenfassung" erschien erstmals 1995 ebenfalls bei Albin Michel. Das Label Drugstore legte 2011 erneut ein Integral-Album in Frankreich auf.

Die Überlebende spielt in einer postapokalyptischen Welt. Der erste Band wirft den Leser ohne einleitende Erklärungen in die Handlung. Die junge Aude Albrespy taucht, nachdem sie tagelang in einer unterirdischen Höhle gefangen war, endlich wieder auf und stellt zu ihrem entsetzen fest, das ihre Freunde regelrecht verdampft sind. Bestätigt durch ihre ersten Eindrücke bei ihrer Fahrt zurück nach Paris, vermutet sie einen verheerenden Atomschlag, der sie zur "einzigen" Überlebenden von Europa macht.

Einzig unzählige automatische Roboter sorgen in Abwesenheit jedweder Menschen für das aufrechterhalten der allgemeinen Versorgung und Ordnung in den Städten. Aude auf sich allein gestellt - verängstigt, voller Wut und Niedergeschlagenheit, - stromert durch das unzerstörte Paris, quatiert sich im besten Hotel ein und lässt es ich zunächst recht gut gehen.

Ulysses, der Roboter-Butler des Crillon-Hotels erfüllt der einsamen Frau all ihre Wünsche. Unverhofft findet nach einigen Wochen ein weiterer Überlebender zu Aude: ein Mann. Voller Freude genießen "Adam-und-Eva"-gleich die beiden Überlebenden ihre Zeit miteinander; sehr zum Leidwesen des blechernen Dieners. Am Ende des ersten Bandes tötet Ulysses seinen "Nebenbuhler" und Aude schreit verzweifelt ihren Schmerz in die Nacht.

Doch das kurze Liebesglück zwischen Aude und dem Mann blieb nicht ohne Folgen. Gleich zu Beginn des zweiten Bandes entbindet Ulysses Audes Baby und die junge Mutter sieht sich nun im emotionalen, zwiespältigen Kampf zwischen Ulysses und der einsamen, feindlichen Welt außerhalb ihrer Zuflucht. Einerseits voller Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit wirft sie sich dem Mörder des Kindsvaters in die Arme und andererseits kann sie sich - als eine Art Gefangene - von Ulysses nicht befreien.

In den folgenden Seiten sieht man den jungen Jonas heranwachsen, um später - als Teenager - in den Kampf zwischen seiner Mutter und Ulysses einzugreifen. Ihr gemeinsamer Weg (Band 3) führt sie auf eine Raumstation, wo weitere Überlebende der Katastrophe warten.
Doch die kollektive Rückkehr zur Erde bringt für die restlichen Überlebenden keine Erlösung. ...

Wie auch in seiner Serie "Die Schiffbrüchigen der Zeit" ist Gillon um die ein oder andere Nacktszene nicht verlegen. In "Die Überlebende" geht jedoch das Gezeigte einen Schritt weiter in Richtung Erotik-Comic ohne je in wirklichen "Hardcore" zu wechseln.

Die vier Bände "La Survivante" bieten eine packende, emotionale Erzählung, der man die vereinzelt vorkommenden platten Dialoge oder Szenen verzeiht. Die erotischen Elemente wurden "großzügig" in die Handlung eingebaut und sind zum Teil durchaus eindeutig und pornografisch. Ähnlich den Werken von Serpieri wollte Gillon dem Leser eine durch und durch erwachsene und ehrliche Geschichte bieten. Mit durchaus deutlichen Bildern.

Ein weiteres Werk das ebenfalls mit einer spannenden - wenn auch historisch bekannten - Geschichte aufwartet und zugleich erotische Szenen bietet, ist die Comic-Umsetzung um Jeanne d’Arc, der Jungfrau von Orléans: Jehanne. Die zweibändige Geschichte erschien bei Albin Michel in den Jahren 1993 und 1997.
Ein wenig Ärger machte die Eröffnungsseite des ersten Bandes, in der Gillon die junge Jeanne d´Arc schlafend im Gras liegend zeichnete, wie sie sich von einem Schaf etwas "verwöhnen" lässt. Einige ausländische Veröffentlichungen ließen diese anzügliche, aber harmlose Seite, einfach weg.

Paul Gillon hat in einigen seiner erotischen Projekte - wie "La Survivante", "Jehanne" oder "Le Contrat" bewiesen, das man intelligente und spannende Geschichten mit einer anregenden Portion Sex kombinieren kann, ohne dabei Niveau und Stil zu verlieren.

Paul Gillon verstarb am 21. Mai 2011 in Paris. Mit ihm verlor die "bande dessinèe"-Welt einen seiner besten Comiczeichner.

Links:
- Der französiche Wikipedia-Eintrag über Paul Gillon mit einer recht ausführlichen Bibliografie
- Eine spanische Blogseite über Paul Gillon
- Artikel über Paul Gillon auf der französischen Seite ActuaBD
- Artikel über Paul Gillon auf der französischen Seite BDzoom

deutsche Veröffentlichung Alpha Comic Verlag (zwischen 1986 und 1998):
- Schwermetall präsentiert 19 - Die Überlebende 1
- Schwermetall präsentiert 27 - Die Überlebende 2 - Der Erbe
- Schwermetall präsentiert 32 - Die Überlebende 3 - Die Vergeltung
- Schwermetall präsentiert 59 - Die Überlebende 4 - Das Ultimatum

französische Veröffentlichung:
- La survivante (Albin Michel, 1985)
- L'héritier (Albin Michel, 1987)
- La revanche (Albin Michel, 1988)
- L'ultimatum (Albin Michel, 1991)
- La survivante - L'Intégrale, Sammelband (Albin Michel, 1995)
- La survivante - L'Intégrale, Sammelband (Drugstore, 2008)

weitere Veröffentlichungen von Gillon (Auswahl):
- Les naufragès du temps (Die Schiffbrüchigen der Zeit) 1974-1989, Vol. 1-10
- L´Ordre de Cicéron 1-3 (Glénat, 2004/06/09, mit Autor Richard Malka)
- Le Décalogue Band 7 (mit Autor Frank Giroud)
- Les Léviathans 1-3 (1982, 1990, 2000)
- Jérémie (aus Magazin Pif Gadget 1968-1972) Bände 1-4 (Lombard (1973, 1974), Les Humanoïdes Associés (1979-1982))

Dank an die Quellen von ActuaBD, BDZoom, Sex im Comic (A. Knigge)

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