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Jean Claude Forest

Der talentierte Autor, Filmemacher, Illustrator und Cartoonist wurde am 11. September 1930 im Pariser Vorort Perreux-sur-Marne in Frankreich geboren.
Forest absolvierte eine klassische Kunst-Ausbildung in Paris und bereits während seines Studiums zeichnete er seinen ersten Comicstrip "Flèche Noire" (1949); eine Romanadaption des gleichnamigen Buches "der schwarze Pfeil" von Robert Louis Stevensons.

Anfang der 1950er Jahre arbeitete er bereits als Illustrator und Zeichner für Caméra 34 (1951-1954), Vaillant (1951-1953), Fillette (1953-1954), Mireille (1956-1958) und Suzette (1958-1959).

Seine erste Alben-Veröffentlichung war der Cartoon-Comic "Hippolyte et les Diamants de Pesetas City"; herausgegeben 1952 bei Editions Elan.

Außerdem waren seine Illustrationen und Cover-Zeichnungen in französischen Zeitungen wie France-Soir, in Magazinen wie Fiction und Le Rayon Fantastique, sowie bei Les Novelles Littéraires zu sehen.
In dieser Zeit arbeitete er zudem für die populäre Comicheft-Serie Charlot, die in loser Folge Abenteuer von Charlie Chaplin´s "The Tramp"-Charakter zeigte.

In den folgenden Jahren arbeitete Forest für die Blätter Mireille (mit den Arbeiten "Princesse Étoile" und "Cendrillon''), Lisette ("Bicot" (1962)), Nana et Nanette ("Les 2 Isabelle''), La Semaine de Suzette und einige mehr.

Anfang der 60er Jahre entstand Forests "größter Erfolg", die Science-Fiction-Ikone Barbarella, die zunächst 1962 als Comicstrip (Bildstreifen) im französischen V Magazine erschien.
Als Roger Vadim zusammen mit Jane Fonda dem populären Comic-Charakter 1968 verfilmte, verhalf dies Forest zu weltweiter Aufmerksamkeit. Vadims Film war zwar außerst erfolgreich, wurde der umfassenden und komplexen Comicgeschichte aber keineswegs gerecht.
Charaktere, wie der einäugige Duran und der blinde Engel Pygar oder das legendäre "Folterinstrument" Orgasmotron, wurden jedoch nicht nur für Fans und Kenner der Comicalben bekannte Begriffe. Weitere freizügige Elemente aus den Comicgeschichten, welche der erste Film 1968 noch nicht zeigen durfte, wird vielleicht die geplante Neuverfilmung 2012 den Kinobesuchern offenbaren und möglicherweise die "Revolution Barbarella" einem neuen Publikum nahe bringen.

Der Verleger Eric Losfeld sah das Material von Barbarella und überredete Forest die Geschichte unzensiert zu drucken. So entstand 1964 die von vielen als "erstes Comicalbum für Erwachsene" betitelte Ausgabe: Barbarella.

Die öffentliche Empörung war groß. Eine Comicgeschichte die einen weiblichen Hauptcharakter beinhaltet, die im engen Raumanzug oder nur spärlich bekleidet durch die Bilder läuft - selbstbewusst, unabhängig sowie sexuell recht freizügig agiert - das war so neu, wie skandalös. Das Einschreiten der französischen Behörden verhalf dem Album zu einer enormen Popularität.
Wohlgleich die wenigen sexuellen Handlungen für heutige Begriffe äußerst harmlos anmuten, keineswegs explizit und meist der Fantasie des Lesers überlassen. Die Bettszene mit einem Roboter ist dabei ein vielzitiertes Beispiel (siehe Bild unten).

Das zweite Album von Barbarella "Les Colères du mange-minutes" erschien 1974 im Verlag Kesselring, obwohl erste Abschnitte des Bandes bereits 1968/69 fertig waren. Der dritte Teil "Le Semble-lune" folgte 1977 bei Pierre Horay. Das vierte Abenteuer "Le miroir aux tempêtes" betreute Forest nur als Autor und überließ Kollege Baniel Billon die künstlerische Ausarbeitung. Die Veröffentlichung fand 1981 im Magazin L´Echo des Savanes statt. Ein Jahr später folgte die Albenform bei Éditions du Fromage. Das Barbarella Material wurde Jahre später wiederholt durch die Verlage Dargaud und Les Humanoïdes Associés in Frankreich wiederveröffentlicht.

Deutschsprachige Ausgaben erschienen 1966 beim Schürmann Verlag und später bei Bertelsmann und Heyne. Anfang der 90er Jahre brachte der Carlson Verlag eine vollständige Gesamtausgabe heraus.

Forest zeichnete Barbarella in einem, selbst für damalige Verhältnisse, recht schroffen, dynamischen Pinselstrich.
Sein Zeichenstil an sich war jedoch äußerst vielseitig und variantenreich; wie seine weiteren Werke zeigen. "Hypocrite" ist zum Beispiel wesentlich leichter, weniger zerfaren, gestaltet. Wohingegen "Enfants… c'est l'hydragon qui passe" strukturierter wirkt, doch mit einer dichteren Pinselschraffur aufwartet. Seine Cartoon-Arbeiten sind hingegen wieder als recht klassisch zu bezeichnen.

Forest war Chefredakteur seines eigenen Comicmagazins Chouchou, das anderen Künstlern, wie zum Beispiel George Richard oder Paul Gillon, ermöglichte, ihre Arbeiten zu präsentieren. Nach nur 13 Ausgaben war jedoch wieder Schluß und dies führte auch zum Ende der "kleine Schwester von Barbarella" "Bébé Cyanure", die zumindest 1975 als Album bei Glénat wiederveröffentlicht wurde.

Für die Fernsehsendung Dim Dam Dom entwickelte Forest 1965-66 den Charakter Marie-Mathématique. Bei France-Soir entstand 1971 der erste Band der Alben-Reihe "Hypocrite", in der eine junge Pariserin rotzfrech durch ihre Abenteuer stobert. Die Folgeabenteuer Nummer 2 und 3 erschienen dann im Magazin Pilote (1972 und 1973).

Mit dem entgültigen Untergang des französischen Kulturkonservatismus Ende der 60er Jahre, entstand eine regelrechte Erwachsene(n) Kultur, mit Filmen, Büchern und Comics.

Anfang der 1970er Jahre waren die Comicarbeiten von Forest in fast allen bekannten französischen Magazinen wie Pilote oder PifGadget, sowie dem legendären Métal Hurlant (Schwermetal), Circus und Fluide Glancial vertreten.

Das Magazin Pif-Gadget veröffentlichte Forests Jules Verne Adaption Mystérieuse matin, midi et soir, die jedoch nicht der erhoffte große Erfolg wurde. Ein Wiederbelebungsversuch seiner ersten erotischen Serienheldin scheiterte ebenfalls. Barbarella war Mitte der 70er Jahre in Vergessenheit geraten.

Immer mehr zog sich Forest als Zeichner zurück und schrieb stattdessen durchaus erfolgreiche Szenarios für andere Kollegen.
Mit Paul Gillon entstand die bekannte Reihe Les Naufragés du temps (auf deutsch Die Schiffbrüchigen der Zeit) (Band 1 und 2, um 1964 und Band 3 und 4, um 1976), mit Max Cabanes Le Roman de Renart (1985) und mit Didier Savard die Serie Léonid Beaudragon (1986, 1990, 1992). Zusammen mit dem bekannten französischen Zeichner Jacques Tardi entstand 1979 das Album Ici Méme für den Verlag Casterman.

1974 arbeitete Forest auch wieder für das Fernsehen. Für ORTF (die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt Frankreichs, 1964-1974) entstand die Sendung Les Poules bleues.

1983 erhielt Jean Claude Forest den Grand Prix de la ville d'Angoulême des Internationalen Comicfestivals von Angoulême.

Drei freizügige Portfolios gestaltete Forest zwischen 1983 und 1987 mit den Titeln "Louise Rose", "Élucubration" und "Contes cruels".

Forest verstarb am (29.)30. Dezember 1998 in Paris.

Veröffentlichungen (Auswahl):
- Charlot (11 Ausgaben, nur Zeichnungen) (zwischen 1953 und 1962)
- Biscot et Dorothée (2 Ausgaben, 1959, 1961)
- Barbarella: Barbarella (1964, 1968 wiederveröffentlicht mit Bildern aus dem Film)
- Barbarella: Les Colères du mange-minutes (Kesselring, 1974)
- Barbarella: Le semble-lune (1977)
- Barbarella: Le miroir aux tempêtes (nur Autor), Daniel Billon (Zeichnung), (Éditions du Fromage, 1982)
- Hypocrite (3 Alben, 1971,1973,1974)
- Les Naufragés du temps, 4 Ausgaben (nur Autor), Paul Gillon (Zeichnung), (Hachette, 1974-1976)
- Bébé Cyanure (Glénat, 1975)
- Ici Méme (nur Autor), Jacques Tardi (Zeichnung), (1979)
- Leonid Beaudragon, 3 Alben (nur Autor), Didier Savard (Zeichnung), (1986, 1990, 1992)
- Biografie von Forest im französischen Magazin Schtroumpf Nr. 26, erschienen bei Glénat

Links:
- "offizielle" Webseite
- deutscher Wikipediaeintrag
- IMDB-Eintrag Barbarella

Dank an van Michel für seine Informationen

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