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Jean-Yves Mitton

Besser spät als nie. Wenn die meisten seiner Kollegen die erotischen Comics eher als "Jugendsünden" begehen - und manche bei diesen Sünden bleiben - gibt es durchaus auch ein paar "Spätberufene".

So der am 11. März 1945 in Toulouse geborene Autor und Zeichner Jean-Yves Mitton. 2011 veröffentlicht das französische Label Edition ANGE zwei gezeichnete Erotik-Comic-Alben von Mitton: Kzara - ou les nuits barbares und Messalina.

Mittons künstlerischer Werdegang startete Ende der 1950er Jahre mit dem Studium an der Kunstschule in Lyon. Nach der Schule fand er alsbald Arbeit im Studio Edition LUG. Dort kam er mit etlichen italienischen und amerikanischen Comics in Berührung, die im Studio für den hiesigen Markt aufbereitet wurden. Zuerst wurde Mitton als Retuscheur eingesetzt. Seine ersten Sporen verdiente er sich, als er einzelne Seiten und Zeichnungen für Import-Serien wie "Pim Pam Poum", "Oum le dauphin", "Popoff", "Sammy Sam", "Blec le roc" oder "Tex Willer" anfertigte. Für letztere wandelte er seinen anfänglichen Cartoon-Stil in einen eher realistischen Comic-Stil.

Über das Studio Lug schmeckte Mitton in die Welt der Superhelden-Comic. So arbeitete er an einigen Marvel-Superhelden-Serien (unter anderem "The Silver Surfer",...) mit und zeichnete und/oder textete zudem für einheimische Eigenentwicklungen, wie "Cosmo", "Epsilon", "Kronos: Le Naufragé de l'espace-temps" und Mikros, die in den Magazinen Mustang, Strange, Titans und Nova erschienen. Gelegentlich verwendete er dabei das eher englisch klingende Pseudonym John Milton.

Um 1980 etwa entstand die Superheldenserie Mikros, die es auch zu einer deutschen Heftserie beim Bastei-Verlag schaffte. Das französische Original wurde in der Heftserie Titans und Mustang abgedruckt (Die Heftserien waren eine Art Sammelband mit mehreren Marvelserien und französischen Eigenproduktionen). Ab dem deutschen Bastei-Heft Nr. 5 kam die Zweitserie Photonik (gezeichnet und geschrieben von Ciro Tota; der ebenfalls (wie Mitton) bei LUG seine ersten Sporen verdiente) hinzu, die in Frankreich in den Sammelmagazinen Spidey und Mustang erschien. Mit Heft 21 endete die deutsche Mikros-Serie abrupt; beide Geschichten entließen den Leser mit einem Cliffhanger.

1987 tat sich Mitton mit dem bekannten Comiczeichner und -Autor François Corteggiani zusammen und zeichnete für ihn l´Archet Blanc (eine Superheldengeschichte) und Noël et Marie (handelt von einem jungen Paar während der französischen Revolution). Ein Jahr später konnte Mitton für den schwedischen Markt einige Episoden der bekannten Comicfigur "The Phantom" zeichnen.

Ab 1989 übernahm Mitton die bekannte Cosa-Nostra-Serie De Silence et de Sang von Zeichner Marc Malès (erschienen bei Verleger Glénat und mit Autor François Corteggiani). Viel Zeit widmete Mitton der - in der gallisch-römischen Zeit spielenden - Serie Vae Victis (1991-2006) die es bis heute auf ganze 15 Bände brachte. Für die Piraten-Serie Les survivants de l´Atlantique schrieb er die Szenarios und die Kollegen Chantal Chéret (Band 1 bis 3) und Félix Molinari (Band 4 bis 9) übernahmen die Tuschearbeiten. Damit nicht genug entstand zwischen 1994 und 2000 die Serie Chroniques Barbares, bei der Mitton Autor und Zeichner war und die Kolorierung vertrauten Kolleginnen wie Chantal Chéret und Sophie Balland übergab. Nicht unerwähnt bleiben sollte zudem die hervorragende Serie Quetzalcoatl für Verleger Glénat, die es zwischen 1997 und 2008 auf sieben Alben brachte und von den Abenteuern der jungen Maiana erzählt, die zwischen die Fronten ihrer Landsleute und den spanischen Eroberern gerät.

Als reiner Autor war Mitton ebenfalls erfolgreich. Nur kurz erwähnt werden sollte: mit Zeichner Frank Bonnet die Reihe Attila... mon amour (erschienen bei Glénat) und die Serie Le dernier kamikaze für Soleil mit Zeichner Félix Molinari.
Die Attila-Reihe spielt zur Zeit des großen Reiterherrns, der von den Römern mit Geschenken beschwichtigt werden soll. Darunter die schöne (halbnackte!) La Lupa - halb Wolf, halb Mensch. Mit ihrer Hilfe soll das römische Bollwerk durchbrochen werden.
Die "Kamikaze"-Reihe führt den Leser in den unerbittlichen Kampf der Japaner gegen die USA am Ende des zweiten Weltkriegs.

Das Mitton die altertümlichen Themen "beherrscht", beweisen die bereits erwähnten Genre-Alben, die er als Autor und/oder Zeichner (mit)gestaltete. So ist es wenig verwunderlich, das er für die erotischen Alben Kzara - ou les nuits barbares und Messalina diese längst vergangenen Zeitepochen als Grundlage für seine Geschichten wählte.

Mittons realistischer Zeichenstil im Album Kzara erinnert ein wenig an die Comic von Kovacq, ohne jedoch dessen exstatische Gesichtsausdrücke und exzessiven Sexszenarios zu bieten. Mitton bleibt in seiner Geschichte bodenständiger und versucht einen stimmigen geschichtlichen Rahmen zu schaffen.

Die Geschichte in "Kzara - ou les nuits barbares" um Zorkhan und seinem jungen asiatischen Gehilfen Yong ist im Grunde schnell erzählt. Auf der Flucht vor Barbaren landen die beiden Kämpfer in der Wüste und... - "weil anscheinend nichts besseres zu tun ist" - vergnügen sich mit homoerotischen Spielereien. Dabei werden sie von einer Schar Amazonen angegriffen und in deren Lager verschleppt. Schließlich benötigt auch ein Amazonen-Clan Nachwuchs. Nach drei Tagen "zwischenmenschlicher Samenspenden", dabei trifft Zorkhan auf die Stammesführerin Kzara, sollen die beiden Männer entmannt und "entsorgt" werden. Doch die Rettung kommt in Gestalt einer Horde von Barbaren, die das Lager angreifen will. Da ist Man(n) natürlich den wehrhaften Damen behilflich.

Das Album ist durchaus wortschwelgerisch und Mitton versucht die Geschichte interessant zu halten. Die Mischung aus Abenteuergeschichte, Amazonen und ausgiebigen Sexeinlagen weiß durchaus zu gefallen. Mitton spielt mit einigen sexuellen Variationen, wie den homosexuellen Annäherungen der Männer, die später im Amazonenlager mit Analsex und bisexuellen Spielereien verfeinert werden.

Kritisch anmerken könnte man zum einen die zwar kurzweilige, aber dann doch zu offensichtliche und triviale Geschichte. Das Album bleibt in Abschnitten so trocken wie die Wüste in der die beiden Helden aufgegriffen werden. Die Parteien (Zorkhan/Yong vs. Amazonen) werden erst gegen Ende der Geschichte versöhnlicher miteinander.
Zum anderen bieten die Zeichnungen keine künstlerischen Raffinessen für das Auge. Im einheitlichen schwarz-weiß der Zeichnungen wünscht man sich fast eine abschließende Kolorierung herbei, die irgendwie fehlt und der Optik sicher gut getan hätte, aber sicherlich keine Option für den Verlag war, wenn man die Kosten betrachtet. Die ohne Zweifel sehr gute Tuschezeichnung ist im Grunde für einen farbigen Abschluss ausgelegt.

Die Alben-Serie um Messalina ist auf sechs Bände ausgelegt. Der abschließende Band erschien im Jahr 2016.

Erotische Veröffentlichungen (Frankreich):
- Kzara - ou les nuits barbares (Édition ANGE, 2011)
- Messalina #1 bis # 6 (Édition ANGE)

Link: Die Alben sind unter anderem bei amazon.fr zu bekommen.

Veröffentlichungen (Frankreich/nicht erotisch)(Auswahl) (2):
Als Autor und Zeichner:
- Ben Hur (4 Bände, Delcourt, 2008-2010)
- Blackstar -L'etoile noire (1 Band, Studio LUG, 1970)
- Chroniques barbares (6 Bände, Soleil Productions, 1994-2000)
- Demain ... les monstres (1 Band, Semic, 1990 und Soleil Productions, 1994)
- Mikros (2 Bände, Sang d'encre, 1998)

- Les survivants de l'Atiantique (Band Teil 1 bis 3 - Band 4 bis 9
zeichnete Félix Molinari, Soleil Productions, 1992-2003)

- Quetzalcoatl (7 Bände, Glénat 1997-2008)
- Fecondation (1Band, Saga Uitgaven, geplant 2011)

Nur als Zeichner tätig:
- De silence et de sang (Band 4 bis 10/von 14, Glénat, 1990-1996)
Autor: François Corteggiani

- L'archet blanc (2 Bände, Soleil Productions, 1998)
Autor: François Corteggiani
- Mikros (1 Band, Organic Comix, 2007) Autor: Reed Man
- Noël et Marie (3 Bände, Messidor/La Farandole, 1989)
Autor: Jean Ollivier und François Corteggiani

- Oum le dauphin blanc, "animal parade" (Studio LUG, 1972-1973)
Autor: Marcel Navarro und Maurizio Torelli

- Vae Victis ! (15 Bände, Soleil Productions 1991-2006)
Autor: Simon Rocca (pseudo de Georges Ramaïoli)

Nur als Autor tätig:
- Attila ... mon amour (6 Bände, Glénat, 1998-2003) Zeichner: Franck Bonnet
- Colorado (4 Bände, Carpe Diem und Daric, 2003-2010)
Zeichner: Georges Ramaïoli

- Gilgamesh (1 Band, Soleil Productions, 1996)
Zeichner: Franck Zimmermann
- Le demier kamikaze (3 Bände, Soleil Productions, 2006-2009)
Zeichner: Félix Molinari

- Les faiseurs de nuees (1 Band (+Sonderband), E.R.C. Boulon, 1998) Zeichner: Jean-Marc Stalner
- Les truculentes aventures de Rabelais
(2 Bände, HORS Collection, 2001-2002) Zeichner: Michel Rodrigue
- Papoose (2 Bände, Jet Steam, 2002/MPF, 2006)
Zeichner: Franck Chantelouve

Links:
- französische Homepage von Mitton
- französisches Interview mit Mitton
- französischer Wikipediaeintrag
- Eintrag bei Lambiek

Quellen:
- Lambiek
- (2) Kzara Album, Bibliografie, Édition ANGE

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