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G. Levis

Am 7. August 1924 wurde Jean Sidobre in Frankreich, Toulouse geboren. Dem Leser von erotischen Comic besser bekannt unter seinem Pseudonym G. Levis. Er gehört ohne Zweifel zu den Altmeistern der erotischen Comic-Kunst und seine Werke sind wahre Klassiker.

Am Anfang seiner Karriere entwarf Sidobre Schals und Seidentücher für Modeboutiquen und bemalte Sonnenschirme; während e
r in Paris an der Beaux-Arts Kunst studierte.

Nach dem zweiten Weltkrieg arbeitete Sidobre bereits unter einigen Pseudonymen. Als Sainclair zum Beispiel für die Magazine Ce Soir, Marius und Nous Deux. Ein weiterer Künstlername von ihm war Sylvia (möglicherweise eine Hommage an Sylvia Plath?). Damit signierte er einige Comicarbeiten für das Frauenmagazin Ève (1949).
Mehrere Pseudonyme zu unterhalten, war in die Nachkriegs-Ära nicht unüblich und dadurch konnte Sidobre für verschiedene Verlage gleichzeitig arbeiten.
Für das Magazin Le Hérisson adaptierte er (1952) einige Abenteuer der Romanreihe "OSS 117" von Jean Bruce.

Bereits in seinen Arbeiten für Magazine wie Nous Deux (das um 1960 bereits eine Auflage von einer Millionen hatte) oder Intimité konnte man Sidobres Leidenschaft für elegante Frauenmode, Damenunterwäsche und weibliche Kurven erahnen. Durch den Verleger Cino Del Duca, dem die beide erwähnten Magazine gehörten, kam Sidobre auch mit den im selben Haus verlegten Comicproduktionen in Kontakt. Für L´Intrépide und Hurrah! gestaltete Sidobre - hier jedoch unter seinem richtigen Namen - einige Comicgeschichten für damals typische Abenteuerserien wie "Steve Hollygan" (1958-62) und "Jim Dynamic" (1958-59).

Sidobre zeichnete etliche "Mädchen-Comic", wie "Mademoiselle Caroline" (1971-1972, mit Autor Pierre Probst) und "Lisette et Caroline" (1973-1974, Verlag S.F.P.I., mit Texten von Norbert Fersen und John Cey). Bei der Comic-Adaption der beliebten Fernsehserie "Daktari" (die es nur auf zehn Ausgaben brachte) war ebenfalls Sidobre federführend. Zwischen 1969 und 1977 konnte Sidobre auch in französisch-englischen Magazinen wie Princess Tina (mit der Serie "Yum-Yum") und Patty (mit der Serie "L’Héritier de Roxcliffe") arbeiten. Für Hachette zeichnete Sidobre für die La Bibliothèque vert an den Serien "Alice" und "Le Clan des sept". Zudem war er in den 1970ern Illustrator für die berühmte Jugendbuchreihe "Club des Cinq" ("Fünf Freunde") von Enid Blyton.

Dann Ende der 1970er Jahre "verschwand" Jean Sidobre …und G. Levis wurde geboren.
Im Zuge der sexuellen Liberalisierung wurden freizügigere Publikationen endlich zugänglicher - und G. Levis alias Sidobre versuchte sein Glück in den erotischen Comic.
Es entstand das wohl bekannteste Frauen-Duo des Genre Liz und Beth.

Dabei war die Geburt der Serie keineswegs geradlinig. Eine erste Heimat fand "Liz et Beth" im "Schmuddelmagazin" Multi. In der zweiten Ausgabe (Ende 1975) konnte man bereits die ersten Comicseiten von "Liz et Beth", gezeichnet von G. Levis entdecken. Aus diesen Anfängen ergab sich auch das von Beginn an kleinere Seitenformat, sowie die Erzählform in knappen, unzusammenhängenden Kurzgeschichten. In dieser Veröffentlichung hieß die Serie auch noch nicht "Liz et Beth" sondern "Multi-Love - Les adventures de Liz et Beth".

Jean Carton, Verleger von Erotikromanen und Pornomagazinen, kaufte das Magazin Multi und all seine Ableger (Multimagazine, Multirelations,…) und plazierte das Frauenduo von G.Levis im neugeschaffenen Comic-Magazin Multi-Love (1977/1978); das es auf vier Ausgaben brachte. Das schamlose Duo fand sich auch in der späteren ersten Nummer des Magazins Bédéadult (Anfang 1979).

Um das kleinere Originalmaterial auf das größere Albenformat zu bringen, wurden beim ersten Album "Les adventures de Liz et Beth" von Neptune (1982), die Comicseiten ziemlich rüde neu zusammengestellt, Bilder zerschnitten, völlig entfernt oder abgeschnittene Bildteile plump ausgebessert. Als "Ausgleich" verfügt jedoch diese Fassung 21 Seiten, die in den späteren Veröffentlichungen von Glénat oder Delcourt fehlen. Band 2 von Neptune hält sich wieder an das ursprüngliche Bild/Seitenlayout (die kleinformatigen Originale wurden einfach größer produziert), doch der Beginn des Bandes wurde ebenfalls neu arangiert und zum Teil mit alternativen Bildern ausgestattet.

Der Unterbau der Serie ist relativ einfach. Liz und Beth sind zwei unabhängige, bisexuelle Freundinnen, die allerhand amouröse Abenteuer bestehen und über ihre Affären und Fantasien erzählen. Das Gesamtwerk von gut 300 Seiten ist dabei in erzählerische Kapitel (Kurzgeschichten) unterteilt, die nur wage zusammenhängen. Eine durchgehende Handlung sucht man vergebens. Doch das künstlerische Können von Levis und die abwechslungsreichen Abenteuer und Orte machen diese "Manko" mehr als wett. Levis zeigt eine große Palette des "zwischenmenschlichen Amüsement". Es finden sich hetero wie lesbische Spielereien, ein wenig Bondage, leichter Fetisch, S&M, Klistierspiele,... bis hin zu eher gewagteren Themen, wie sodomitische oder pädophile "Träumereien". Doch es sei hier erwähnt, das diese Inhalte eher zurückhaltend und oftmals im Zitat alter erotischer Bücher oder persönlicher Rückblicke abgehandelt werden.
In diesem Zusammenhang wäre auch das formidable Album Les petites filles modéles zu erwähnen, das ebenfalls mit so heiklen Themen wie Inzest und sexuelle Neugier von Jugendlichen spielt.

Sidobres gefühlvoller Tuschestrich hat sehr viel mit dem italienischen Kollegen Leone Frolle gemein. Beide zelebrieren elegante Frauen mit viel Noblesse, Grazie und Sexappeal. Zudem mit einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein, Schalkhaftigkeit, Lebensfreude und sexueller Neugier ausgestattet. Levis verzichtete, mehr noch als Frollo, auf allzu deutliche Darstellungen der Geschlechtsteile. Doch als schamhaft und prüde kann man seine Alben auch nicht bezeichnen.

Die Reihe Liz et Beth wurde in Frankreich in vier/fünf Alben veröffentlicht (zwischen 1980 und 1983). Wobei Band 5 "Le club des sens" nicht mehr von Levis, sondern von Jean Pailler (Alan Davis) gestaltet wurde - und erst 1994 im Rahmen der Le Marquis Reihe von Glénat veröffentlicht wurde.
Bereits Album 4 (und diesbezüglich auch der englische Band Vol. 3 von Eros) beinhaltet am Ende 21 Seiten, die nicht Levis, sondern Xavier Musquera (aka Chris) vollendet hat.

1983 legte die Édition Dominique Leroy ebenfalls einen Liz et Beth Band (in Farbe) vor: "Les nouvelles aventures de Liz et Beth".

Zwischen 1987 bis 1989 wurden "alle" "Liz et Beth"-Seiten von Levis unter der Führung von Henri Filippini, für Glénat in vier, bzw. fünf luxuriösen Alben - unter dem Label "Le Marquis" im Originallayout wiederveröffentlicht. Im einzelnen:
- Liz et Beth 1 - Entrée de ses vices
- Liz et Beth 2 - Le songe d'une nudité
- Liz et Beth 3 - les flirts du mâle
- Liz et Beth 4 - Vive l'ampleur!
- Liz et Beth 5 - Le club des sens (von Pailler).
(Die Nummerierung 1-5 ist nicht Teil des Titels, sondern dient lediglich der Übersicht).

Der amerikanische Verlag Eros-Comix hat die Abenteuer von Liz and Beth in drei Sammelalben herausgegeben (1993-1995); die mit großen Erfolg liefen und mehrere Nachdrucke forderten. Die Seiten entsprechen dem Glénat Material.
- Liz and Beth Vol. 1: A Good Licking - Eros Graphic Album Series No.8
- Liz and Beth Vol. 2: Coffee, Tea or Me - Eros Graphic Album Series No.12
- Liz and Beth Vol. 3: Tit for Twat - Eros Graphic Album Series No.20.

2010 erschien bei Delcourt der bereits erwähnte Sammelband: Liz et Beth - Edition définitive! (im Format von 17 x 24 cm), der die über 300 Original-Seiten von Levis gesammelt und vollständig präsentiert. Wohlgemerkt nur das Liz und Beth Material von Levis.
Dieser "vollständige" Sammelband ist soweit interessant, da er (soweit verglichen: drei) Seiten beinhaltet, die in den englischen Eros-Comix-Bänden, sowie in den französischen Glénat-Bänden fehlen und nur in der Albenumsetzung von Neptune zu finden sind (Zum einen eine ganzseitige Illustration und zwei Seiten aus einer "2.Weltkrieg-Kurzgeschichte").

Robert Hughes, besser bekannt als Mancini und W.C. Colber hat für seinen Freund und "Lehrer" Sidobre auch einiges "Liz et Beth"-Material angefertigt, da er im Gespräch war die Serie fortzuführen. Aus dem Projekt wurde wegen Zeitmangels seitens Hughes leider nichts.

Philippe Mellot, der für Levis Jelly Shawn : mémoires d’une entraîneuse schrieb, war auch verantwortlich für die kleine Serie "Les Fantasmes de Zoé", die im Magazin Charlie Mensuel zwischen 1984 und 1985 lief und von Levis gezeichnet wurde (Ausgaben 30 bis 34). Für Charlie gestaltete Levis desweiteren auch eine kleine Pin-up-Reihe "Belle du mois" (Ausgabe 17, 30-34, 1983-84/85); sowie zwei (Umlauf-)Covers (Ausgaben 16 und 33). Die erwähnte Geschichte "Jelly Shawn" wurde farbig in Charlie Mensuel in den Ausgaben 39 bis 44 veröffentlicht.

Die Alben "Dodo, 13 ans" und "Les Perles de l’amour" entstanden in Zusammenarbeit mit dem bekannten Autoren Francis Leroi.

Dodo, 13 ans (in anderssprachigen Veröffentlichungen auch "Coco" genannt) spielt in der Zeit um 1942 in einem Pariser Bordell. Die Geschichte hat neben den erotischen Themen, die ein Bordell-Schauplatz so mit sich bringt, einen gelungenen Schuss Liebe und Romantik und einen Spritzer Tragik zu bieten.
Band 2 wurde nach Sidobres Tod von Giovanni Romanini gezeichnet.
Hier bietet sich ein Vergleich mit Frollos Casino-Serie an, die ebenfalls das Treiben in einem Bordell beleuchtet. Doch anders als Casino legt Dodo mehr Wert auf die Charaktere und bietet inhaltlich mehr Tiefgang.

Les Perles de l’amour (Pearls of Love) könnte direkt aus einem schnulzigen 1940er Jahre Streifen entsprungen sein. Zumindest bis auf die erotischen Szenen. Der "Film/Comic", spielt im kolonialen Indien. Der Leser bekommt schöne englische Ladys und indische Haremsdamen zu sehen, einen strammen englischen Offizier sowie einen bösen Maharadscha. Sie alle verstricken sich in eine abenteuerliche Geschichte aus Liebe, Haß, Verrat und Unglück. Die erotischen Szenen sind recht deutlich, jedoch stilvoll in Szene gesetzt und fügen sich harmonisch in das Gesamtbild ein.
Levis hat anstelle seines zarten Tuschestrichs, die Seiten aufwendig mit Pinsel monochrom ausgearbeitet, das den Schwarz-Weiß-Film-Eindruck noch verstärkt.

Die Werke von G. Levis sind kurzweilig zu lesen, handwerklich von exzellenter Qualität, zeitlos schön, erfüllt mit frivolem Flair, modischen Fetisch, sowie antiquiert, verruchter Erotik.

Es ist sicherlich ein kleines Kuriosum, das aus einem Zeichner für "Kinder und Jugend"-Comic, einer DER bekanntesten Künstler für erotische Comic geworden ist. Zur gleichen Zeit, als Sidobre an seinen erfolgreichen Zeichnungen für die Serie "Fünf Freunde" arbeitete, beschäftigte er sich bereits mit den ersten Seiten von Liz et Beth.

Jean Sidobre ist am 31. März 1988 in Mesnil-Saint-Denis gestorben.

Veröffentlichungen französische (deutsche) Alben:
- Les adventures de Liz et Beth 1-2 (1980/1981, bei Neptune; Neuauflage bei Ciel (anderes Covermotiv); 1987, bei Glénat)
- Les adventures de Liz et Beth 3 (1982, bei Neptune; 1988, bei Glénat)
- Les adventures de Liz et Beth 4 (1983, bei Neptune; 1989, bei Glénat)
- Les petites filles modéles (The Exemplary Little Girls) (1982, bei Edition Dominique Leroy; 1988, bei Media 1000)
- Les nouvelles aventures de Liz et Beth (1983, bei Édition Dominique Leroy) (Die Abenteuer von Liz und Beth, 1988, bei Edition Bikini)
- L´Ecole des Biches (1984, bei Edition Dominique Leroy, mit Autor Lo Duca) (Die Liebeschule, 1988, bei Edition Bikini)
- Les Perles de L´Amour (1985, bei Verlag Albin Michel) (Perlen der Liebe, 1986, bei Sombrero)
- Dodo, 13 ans (1987, bei Albin Michel; 1988, bei Media 1000) (Dodo, das Haus der 1000 Freuden, 1991, bei Luxor)
- Jelly Shawn Mémoires d´une entrineuse (1987, bei Aedena, mit den Autoren Michel Denni und Philippe Mellot), wiederveröffentlicht als "A corps perdu", 1990, bei Verlag Albin Michel)
- Crimes et délits (1988, bei Yes Company, mit Autor Tony Hawkee, fertiggestellt von Erich von Götha)

Links:
- Wikipediaeintrag (französisch) Jean Sidobre
- Wikipediaeintrag (französisch) Joseph-Marie Lo Duca
- französische Artikel über das Gesamtwerk von G.Levis

Der oftmals verwendete Vorname George ist erst später "hinzugedichtet" worden und kam nicht von Sidobre selbst; zerstört es doch das Wortspiel G.Levis. Das vollständige Pseudonym ist "G. Lévis de Monage"
(Lautsprache: j'ai les vices de mon âge). "De Monage" wurde zu Beginn manchmal als Autor von Liz et Beth aufgeführt. (Quelle: Delcourt, J´Ose)

Video:
- Durchgeblättert: Liz et Beth - Edition définitive! von Delcourt

Dank für Bildmaterial und Informationen an regdul

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