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Geschichten aus der Erotikwelt
Band 1: Fifis Bordellabenteuer

ComicLadies.de, 2016
Deutschsprachiges Comicheft, 52 Seiten, farbig.

Auf dem diesjährigen Comicsalon in Erlangen konnte ich ein neues deutschsprachiges Comicprojekt entdecken. Die Agentur RTO GmbH - betreut unter anderem die Webseiten ladies.de und deren Ableger mit selbiger Endung - engagierte den Schweizer Comicprofi David Boller um mit ihm eine leichte erotische Comicunterhaltung zu produzieren, die zwar keine ernsthafte Botschaft über die „Rotlicht-Szene“ beinhaltet, aber durchaus ihren Werbeeffekt auf diverse Leser haben könnte - und zumindest eine seltsame Werbebotschaft beinhaltet, die die Arbeit der Agentur selbst betrifft.
Innerhalb der Geschichte kontaktiert die gewerbetreibende Fifi die Werbeagentur, die hinter den Comic steht. Hier erfährt der Leser wie einfach, schnell und unbürokratisch man eine Online-Werbung bei RTO buchen, verändern und modifizieren kann.

Gleich beim ersten Durchlesen geschlich mich die Frage, wen diese spezielle Werbebotschaft erreichen soll. Die Damen des horizontalen Gewerbes? Leider kennt der Schreiber dieser Zeilen zu wenige davon um hochzurechnen, ob diese Frauen auch Comicleserinnen sind.

Für den durchschnittlichen Comic-Fan mag diese Werbung ein wenig befremdlich erscheinen und mit ihm auch den falschen Ansprechpartner treffen. Oder will man unter den weiblichen Comiclesern Nachwuchs für die Branche generieren? Oder soll der männliche Leser seine Freundin/Frau dazu animieren, es doch mal mit dem Gewerbe zu versuchen? Eine Anzeige schalten geht ja, wie gesehen/gelesen, recht einfach. Oder soll der männliche Leser die positiv geschilderten Erlebnisse mit der Agentur übertragen auf die werbenden Damen? "Wer auf diesen Webplattformen wirbt, kann keinen schlechten Service anbieten?"
Man möge mir diese trivialen Überlegungen verzeihen.

Technisch und optisch befindet sich das Comicheft auf hohem Niveau. Die Zeichnungen von David Boller (Etliche Jahre Worker für Marvel, Acclaim, Top Cow, Image, DC Comic. Empfehlenswert: „Ewiger Himmel. Ein Schweizer in Amerika“) sind wie zu erwarten erstklassig und weisen keine Makel auf. Der Druck, das Papier und die Präsentation ist hervorragend und gefällig.

Die Geschichten von Alicia Lorenza sind abwechslungsreich, durchaus nachvollziehbar (soweit man sich als Laie in diese Welt reindenken kann und will) erzählt, aber nicht allzu extrem in den Inhalten. Der gesamte Comic hält sich mit expliziten Darstellungen deutlich zurück und ist frei ab 16+ Jahren.
Doch warum mussten alle Körperflüssigkeiten einen rosa Touch bekommen? Das erinnert befremdlich an Werbung für Damenbinden und ihre Ersatzflüssigkeiten. Sperma, Scheidenflüssigkeit und Spucke sind nunmal „farblos“/weiß. Hier wird für meinen Geschmack etwas zu viel falsche Prüderie an den Tag gelegt.

Der Leser bekommt mit dem vorliegenden Comicheft einen Blick hinter die Kulissen eines Frankfurter Bordells und der Arbeit von Sexworkerinnen. Fifi, eine sexy, vollbusige Blondine, verdient ihr Geld mit Prostitution. Sie betreibt eine Hostessenwohnung in Frankfurt und anhand von verschiedenen Alltagssituationen erklärt die Schönheit dem Leser die anfallende Arbeit. Schließlich muss sie ihren kleinen Betrieb organisieren, Online-Werbung schalten (aha!) und natürlich ihre Kunden bedienen. (1)

Zum Ein-Frau-Betrieb stößt die Kollegin Babsy - mit ihrer „reizvollen Rubensfigur“ - und gemeinsam berichten sie von bizarren und auch komischen Situationen, den extravaganten Wünschen ihrer Kunden und einem unerwarteten Polizeieinsatz.

„Durch Comicladies.de soll der Leser einen Einblick in den Alltag von Prostituierten und Clubbesitzern erhalten. Es ist kein erotischer Comic im eigentlichen Sinne und erfüllt auch keine pornografische Zwecke, sondern behandelt ein gesellschaftlich relevantes und stets aktuelles Thema. Das Comicmedium ist ein ausgezeichnetes Format, um dem Leser Alltagssituationen aus dem Rotlichtmilieu zu vermitteln.“ (1)

„Fifis Bordellabenteuer“ ist konzeptionell sicherlich nicht ohne Grund äußerst „casual“ gehalten. Echte Konflikte oder ernstere Töne aus der Branche werden nicht angeschnitten. Dafür ist das Comicheft zu sehr Werbebroschüre für den ladies.de-Brand.
Der Leser wird nicht direkt bedrängt, die diversen ladies.de Seiten aufzusuchen und die Angebote darin zu buchen. Doch man sollte sich immer vor Augen halten, das darin wohl das eigentliche Werbeziel der ganzen Comic-Aktion liegt. Lustige, aber auch peinliche Kundengeschichten sollen die Scheu, diese Angebote selbst einmal zu probieren, überwinden helfen. Wie bei jeglicher Werbung liegt es beim Kunden/Konsumenten, ob Er oder Sie das Angebot annimmt.

Was bleibt ist ein gut präsentierter und handwerklich solider Werbecomic der nicht aufdringlich, zwar trivial aber durchaus unterhaltsam, für den Webseiten-Brand "ladies.de" wirbt.

Rezension von gaijinjoe

Mittlerweile gibt es einen Fortsetzungsband.

Links:
www.comicladies.de

Quellen:
(1) Klappentext, auszugsweise

EroticladiesSeite1
EroticladiesSeite2
EroticladiesSeite3
EroticladiesSeite5
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